Ratgeber

Recyclingfähigkeit flexibler Verpackungen

Wie CEFLEX, RecyClass und der deutsche Mindeststandard Recyclingfähigkeit unterschiedlich bewerten

Wann ist eine flexible Verpackung wie z. b. ein Standbodenbeutel wirklich recyclingfähig und was bedeutet Recycling überhaupt? Darauf gibt es derzeit keine vollständig einheitliche Antwort. Mit CEFLEX D4ACE, RecyClass und dem deutschen Mindeststandard existieren mehrere etablierte Bewertungsmodelle, die unterschiedliche Bewertungsschwerpunkte setzen.

Recyclingfähigkeit hängt dabei nicht nur von der Kunststoffart (PP, PE, PET,...) selbst ab, sondern auch von Verpackungskomponenten wie Barriereschichten, Klebstoffe und Druckfarbe. Auch die Sortierbarkeit, die Recyclinginfrastruktur und die Qualität des entstehenden Rezyklats spielen eine Rolle.

Recycling bedeutet nicht, dass aus einer Lebensmittelverpackung wieder eine Lebensmittelverpackung entsteht. Gerade bei flexiblen PE- und PP-Verpackungen aus der haushaltsnahen Sammlung ist ein direkter Food-to-Food-Kreislauf heute nur sehr eingeschränkt möglich da die EU hohe Anforderungen an Herkunft und Dekontamination von Kunststoffrezyklaten vorgibt. Ziel für das Recycling von flexiblen Verpackungen ist daher primär der Erhalt des Wertstoffes für die Herstellung von Sekundärrohstoffen. Aus diesen Rezyklaten entstehen im Anschluss dann z. B. Bauprodukte, Rohre, Gitter oder Nicht-Lebensmittelverpackungen.  

Die Bewertungsmodelle im Vergleich

CEFLEX D4AceRecyClassDeutscher Mindeststandard
ZielLeitlinie für recyclinggerechtes Design flexibler VerpackungenTechnische Bewertung und Zertifizierung der RecyclingfähigkeitBewertung unter deutschen Sortier- und Verwertungsbedingungen
FokusMaterialaufbau, Barrieren, Druck, Klebstoffe und SortierbarkeitVerhalten im Recyclingprozess und RezyklatqualitätTatsächlich zurückgewinnbarer Wertstoffanteil
ErgebnisCompatible / Limited Compatibility / Not CompatibleKlasse A / B / CRecyclingfähigkeit in %
SortierungNIR- und weitere Sortiertechnologien werden berücksichtigtSortierbarkeit ist Bestandteil der BewertungDeutsche Sortierpraxis und ggf. konkrete Prüfanforderungen
InfrastrukturEuropäische Design-for-Recycling-PerspektiveEtablierte europäische RecyclingströmeKonkrete deutsche Sortier- und Recyclingpraxis
UnterschiedeSchwerpunkt auf recyclinggerechtem VerpackungsdesignStärkerer Fokus auf technische Recyclingverträglichkeit und RezyklatqualitätStärkerer Fokus auf den unter realen deutschen Bedingungen zurückgewinnbaren Wertstoffanteil

CEFLEX D4ACE

Diese Bewertungsmodell wurde speziell für flexible Verpackungen entwickelt. Bewertet werden unter anderem PE- und PP-Materialien, Barriereschichten (Metallisierung, EVOH,...), Klebstoffe, Druckfarben und die Erkennung der Verpackung in Sortieranlagen. Beim Design-Check handelt es sich jedoch nicht um eine Recyclingfähigkeitszertifizierung und berücksichtigt auch keine konkrete Recyclinginfrastruktur eines Ziellandes.

RecyCalss

Dieses Bewertungsmodell betrachtet verstärkt, wie sich die Verpackung und ihre Bestandteile im mechanischen Recycling verhält. Ein starker Fokus liegt dafür auf Sortierbarkeit, Verarbeitbarkeit und die Qualität des entstehenden Rezyklats. Neue Technologien oder Verpackungskomponenten können über standardisierte Prüfverfahren und Technology Approvals untersucht werden.

Deutscher Mindeststandard

Der deutsche Mindeststandard legt seinen Fokus auf den tatsächlichen Anteil der Verpackung, welcher unter deutschen Sortier- und Recyclingbedingungen als Wertstoff zur Verfügung steht. Das Ergebnis wird dafür in Prozentwerten angegeben.

Warum Recyclingbewertungen unterschiedlich ausfallen?

Die aufgezeigten Bewertungsmodelle beantworten nicht exakt die selbe Frage und legen jeweils einen unterschiedlichen Fokus. Ein Verpackungsbestandteil kann beispielsweise technisch mit einem PP-Recyclingprozess kompatibel sein, ohne im deutschen Mindeststandard selbst vollständig als PP-Wertstoff angerechnet zu werden. Ebenso kann eine funktionale Barrierefolie im Recycling funktionieren, während ihre Gestaltung möglicherweise die Erkennung der Verpackung in Sortieranlagen negativ beeinflusst. 

Relevant sind dabei unter anderem Hauptpolymer, Barriereschichten, Klebstoffe, Druckfarben, Verpackungsdesign, Sortierbarkeit, Infrastruktur und Rezyklatqualität.

Recycling ist niemals ausschließlich "schwarz oder weiß". Unterschiedliche Bewertungsmodelle können bei derselben Verpackung zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, ohne sich grundsätzlich zu widersprechen. Auch Veränderungen bei Sortier- und Recyclingtechnologien können die Bewertung zukünftig jederzeit verändern.

Unser Ansatz bis zur vollständigen Umsetzung der PPWR

Artikel 6 der Packaging and Packaging Waste Regulation (2025/40) führt zukünftig eine europaweit harmonisierte Bewertung der Recyclingfähigkeit ein. Die dafür entscheidenden Design-for-Recycling-Kriterien und die Bewertungsmethodik müssen von der EU-Kommission noch durch delegierte Rechtsakte konkretisiert werden.

Bei der Entwicklung unserer Materialien für flexible Verpackungen orientieren wir uns im Kern am deutschen Mindeststandard. Da unsere Verpackungen jedoch auch europaweit im Einsatz sind, berücksichtigen wir ergänzend auch relevante Design-for-Recycling-Kriterien und Erkenntnisse von CEFLEX D4ACE und RecyClass. Unser Ziel ist es, Produktschutz, Materialeffizienz, Funktionalität, Convenience und Recyclingfähigkeit bestmöglich miteinander zu verbinden. Dafür fokussieren wir uns auf hohe PE/PP-Anteile zusammen mit recyclingzertifizierten Barrierefolien, Klebstoffsysteme und Druckfarben. Außerdem unterstützen wir unsere Kunden aktiv bei einer recyclingfreundlichen Gestaltung ihrer Verpackungen.

Bis die zukünftigen europäischen Bewertungskriterien nach Artikel 6 PPWR vollständig feststehen, möchten wir damit bereits heute eine möglichst gute technische Grundlage für einen funktionierenden Wertstoffkreislauf in Deutschland und Europa schaffen. Eine spätere PPWR-Einstufung wird dadurch ausdrücklich nicht vorweggenommen.

Quellen Stand 24.10.2026:

  • CEFLEX – Designing for a Circular Economy Guidelines
  • RecyClass – Recyclability Methodology
  • ZSVR/UBA – Mindeststandard zur Bemessung des recyclinggerechten Designs von Verpackungen
  • Umweltbundesamt – Kunststoffabfälle aus Deutschland / Technische Potenzialanalyse Kunststoffrecycling
  • Europäische Union – Verordnung (EU) 2022/1616 sowie Verordnung (EU) 2025/40, Artikel 6

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Über den Autor

Lasse Harder

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