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Recycling oder Kompostierung? Der Vergleich

Im Jahr 2022 entstanden in der EU insgesamt rund 2,23 Milliarden Tonnen Abfall. Abfallerzeugung und -entsorgung können je nach Abfallart ...


Verpackungsabfälle besser verwerten – aber wie?

Im Jahr 2022 entstanden in der EU insgesamt rund 2,23 Milliarden Tonnen Abfall. Abfallerzeugung und -entsorgung können je nach Abfallart und Behandlungsweg Auswirkungen auf Umwelt und Ressourcen haben. Im Jahr 2023 fielen in Deutschland 48,9 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle an. Die Zielsetzung ist deshalb klar: Abfallvermeidung hat in der Abfallhierarchie eine hohe Priorität. Neben der Abfallvermeidung ist die stoffliche Verwertung ein Bestandteil der Abfallwirtschaft. Dennoch bleibt die Frage: Welche Methoden sind für diese Aufgabe am besten geeignet?
Großer Haufen Abfall vor Recyclinganlage in einer Halle

Warum Wiederverwertung wichtig ist!

Tatsächlich ist es nicht allein die schiere Menge an Abfällen, die eine Wiederverwertung zu einer so dringlichen Aufgabe macht. Für eine funktionierende, effiziente Kreislaufwirtschaft gibt es viele gute Gründe:

  • Recycling kann bei geeigneten Abfallströmen die stoffliche Nutzung von Materialien ermöglichen.
  • Treibhausgaswirkungen verschiedener Verwertungswege können anhand definierter Systemgrenzen, Bezugsgrößen und Emissionsdaten verglichen werden.
  • Der Einsatz von Rezyklaten kann den Anteil neu eingesetzter Primärrohstoffe entsprechend dem tatsächlich eingesetzten Rezyklatanteil reduzieren. Recycling ist aber keineswegs die einzige Möglichkeit, um in Zukunft für weniger Abfälle zu sorgen. Geeignete Bioabfälle können in Kompostierungsprozessen zu Kompost verarbeitet werden.

Recycling und Kompostierung im Vergleich

Ein Vergleich dieser beiden Verfahren ist nicht ganz einfach, denn grundsätzlich müssen jeweils verschiedene Techniken differenziert werden. Beim Recycling wird beispielsweise zwischen werkstofflicher und rohstofflicher Verwertung unterschieden. Bezogen auf Kunststoffe bedeutet das entweder

  • eine Aufbereitung, bei der das Ausgangsmaterial im Wesentlichen erhalten bleibt (werkstofflich), oder
  • das Zerlegen des Kunststoffs in seine Grundbausteine mit Hilfe (thermo-)chemischer Prozesse (rohstofflich).
Grüne Tasche mit Recycling-Symbol und Herbstblättern daneben

Ist keine dieser beiden Möglichkeiten umsetzbar, bleibt immer noch die energetische Verwertung. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine Form des Recyclings: Die Abfälle werden schlicht zur Energiegewinnung (Wärme und/oder Strom) verbrannt. Auch beim Kompostieren lohnt sich ein genauerer Blick, da viele Begriffe in diesem Zusammenhang fälschlicherweise synonym verwendet werden. Vor allem sorgen die Bezeichnungen „biologisch abbaubar“ und „kompostierbar“ dadurch immer wieder für Unsicherheit – weil sich dahinter zwei unterschiedliche Konzepte verbergen. Biologische Abbaubarkeit beschreibt den Abbau eines Materials unter definierten Bedingungen. Kompostierbarkeit ist anhand der jeweils zugrunde gelegten Prüfbedingungen, Normen und Zeiträume zu bewerten. Die Abbaudauer biologisch abbaubarer Materialien hängt wesentlich von Material und Umgebungsbedingungen ab.


RECYCLING

Recycling ermöglicht bei geeigneten Verpackungen die Rückgewinnung von Materialien für eine erneute stoffliche Nutzung.

Bedingungen

Die Effizienz der Kreislaufwirtschaft ist an verschiedene Voraussetzungen gebunden:
  • Wiederverwertbare Materialien müssen beispielsweise nach dem Gebrauch von anderen Abfällen getrennt gesammelt werden.
  • Neben der Mülltrennung in den Haushalten braucht es auch in den Recyclinganlagen zusätzliche Verfahren, um etwa verschiedene Kunststoffe voneinander trennen zu können.
  • Die Recyclingfähigkeit hängt vom vollständigen Verpackungsaufbau, der Sortierbarkeit, dem Recyclingweg und der vorhandenen Infrastruktur ab. Unter Umständen sind also aufwändigere Prozesse notwendig.

Grenzen

Ob Kunststoffverpackungen werkstofflich recycelt werden können, hängt unter anderem von Aufbau, Sortierbarkeit und vorhandener Recyclinginfrastruktur ab. Qualität und Ausbeute zurückgewonnener Materialien hängen vom Materialaufbau und dem jeweiligen Recyclingprozess ab. Das stört die gewünschte Kreislaufwirtschaft. Papierfasern können abhängig von Faserqualität und Recyclingprozess mehrfach stofflich genutzt werden.

Kompostierung

Verbraucher finden immer mehr kompostierbare Verpackungslösungen. 

Kompostieren ist nicht gleich kompostieren

Industriell kompostierbare Kunststoffe werden unter kontrollierten Bedingungen geprüft, die sich deutlich von Bedingungen im Heimkompost unterscheiden. 

Grenzen

Biologisch abbaubare Kunststoffverpackungen bieten nach Angaben des Umweltbundesamts bei ihrer Zersetzung keinen relevanten Nutzen für Kompost oder Böden. Beim biologischen Abbau entstehen unter anderem CO₂ und Wasser; die konkreten Abbaubedingungen sind material- und verfahrensabhängig.

Biologisch abbaubare Kunststoffverpackungen werden derzeit in der Regel nicht einem eigenen stofflichen Recyclingpfad zugeführt. Im Gegenteil: Biologisch abbaubare Kunststoffverpackungen werden nach Angaben des Umweltbundesamts in Sortieranlagen derzeit aussortiert und energetisch verwertet.

Richtig kompostieren

Die biologische Behandlung ist für dafür geeignete organische Bioabfälle vorgesehen. Bei einer Kompostierung werden Materialien nicht als Sekundärrohstoff für eine erneute stoffliche Nutzung zurückgewonnen.

FAZIT

Recycling und Kompostierung sind unterschiedliche Verfahren zur Behandlung geeigneter Abfallströme. Für Verpackungsabfälle gelten auf EU- und nationaler Ebene verbindliche Recyclingziele und -anforderungen. Die PPWR sieht ab 2030 – abhängig von Verpackungsart und Material – konkrete Mindestrezyklatanteile für Kunststoffverpackungen vor. Wichtig ist in beiden Fällen, den Mehrwert der entstehenden Produkte nicht aus den Augen zu verlieren: Recycling kann zurückgewonnene Materialien einer erneuten stofflichen Nutzung zuführen; die erreichbare Materialqualität hängt vom jeweiligen Recyclingprozess ab. Selbst wenn die bisher verfügbaren kompostierbaren Verpackungen sich noch nicht als hochwertiger Dünger eignen, so fallen dennoch genug organische Abfälle an, die diesen Zweck sehr gut erfüllen. Recycling und Kompostierung erfüllen je nach Abfallstrom unterschiedliche Funktionen in der Abfallbehandlung.