Wissenstwert

Recycling: Der Nachhaltigkeitsbericht der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen

Die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V. (IK) hat ihren mittlerweile fünften Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht und informiert damit über die ...


DER NACHHALTIGKEITSBERICHT 2021

Die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V. (IK) hat ihren mittlerweile fünften Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht und informiert damit über die aktuellen Herausforderungen, Fortschritte und Ziele der Kunststoffverpackungsbranche in den Bereichen Recycling, Rezyklateinsatz und Ressourcenschutz

Hand mit Globus und Schild Save the Earth

Die Schwerpunkte liegen, wie auch schon in früheren Berichten, auf den folgenden fünf Nachhaltigkeitsaspekten:

  • Produktschutz
  • Klima- und Ressourcenschutz
  • Schutz der Meere
  • Verbraucherschutz
  • Schutz der Wettbewerbsfähigkeit
Besonders im Fokus steht aber der Bereich des Klima- und Ressourcenschutzes. Denn für diesen wurden 2018 konkrete Ziele festgelegt, die bis 2025 erreicht werden sollen – diese werden nun erstmals in einer Zwischenbilanz hinsichtlich ihres Fortschritts überprüft.

DIE ZIELE IM KLIMA- & RESSOURCENSCHUTZ

Deutschland verfolgt das gesetzliche Ziel, bis 2045 Netto-Treibhausgasneutralität zu erreichen. Für die Transformation der Kunststoffwirtschaft werden unter anderem Rezyklate und alternative Rohstoffquellen diskutiert. Deshalb hat sich auch die IK konkrete Ziele gesetzt – und die sind ambitioniert:

1. Verbesserung der Kreislauffähigkeit: Die IK hatte sich 2018 das Ziel gesetzt, den Anteil recycling- oder mehrwegfähiger Haushaltsverpackungen bis 2025 auf 90 % zu erhöhen.

2. Mehr Rezyklate in der Produktion: Die IK hatte sich für 2025 das Ziel von einer Million Tonnen Recyclingmaterial beziehungsweise nachwachsenden Rohstoffen in neuen Verpackungen gesetzt.

3. Recycling von Silo- und Stretchfolien: Für 2022 hatte die Initiative ERDE das Ziel, jährlich mindestens 34.000 Tonnen Silo- und Stretchfolien zu sammeln und werkstofflich zu verwerten.
Infografik zu Klimazielen und Fortschrittswerten der Verpackungsindustrie

FORTSCHRITT: KREISLAUFFÄHIGKEIT

Die IK zeigt sich in ihrem Nachhaltigkeitsbericht überwiegend optimistisch, dass die drei Klimaziele tatsächlich erreicht werden. Laut IK-Bericht stieg der Anteil recycling- oder mehrwegfähiger Haushaltsverpackungen von rund 75 % im Jahr 2016 auf 81 % im Jahr 2020.

Person wirft verschiedene Verpackungen in einen Sammelcontainer

Verbesserungen nehme man vor allem im Bereich der beteiligungspflichtigen Verpackungen wahr. Laut IK wurden bei Mehrschichtfolien vermehrt Strukturen eingesetzt, die nach den damals zugrunde gelegten Bewertungskriterien eine bessere Recyclingfähigkeit aufwiesen. Auch der Gebrauch von rußbasierten Pigmenten sei rückläufig, was vor allem der automatischen Materialsortierung beim Recycling zugutekomme.

Herausforderungen bleiben hingegen PET-Schalenverpackungen und EPS-Verpackungen im Gelben Sack. Die IK bewertete bestimmte papierbasierte Verbundverpackungen in ihrem Bericht hinsichtlich der Recyclingfähigkeit kritischer als bestimmte Kunststoffverpackungen.

FORTSCHRITT: REZYKLATE IN PRODUKTION

Laut IK-Bericht stieg der Rezyklateinsatz in Kunststoffverpackungen von 2017 bis 2019; der Anstieg entfiel dem Bericht zufolge auf Post-Consumer-Rezyklate. Vor allem im Bereich der Post-Consumer-Rezyklate zeichne sich ein starker Anstieg ab – trotz des allgemein rückläufigen Verbrauchs von Neuware.

Die Zielerreichung liegt allerdings noch fern. Für 2019 weist der IK-Bericht 474.000 Tonnen Rezyklateinsatz gegenüber dem damaligen Ziel von 1 Million Tonnen für 2025 aus. Der IK-Bericht 2021 nannte Verfügbarkeit, Qualitätsanforderungen und damalige rechtliche Vorgaben als Hürden für einen höheren Rezyklateinsatz. Der IK-Bericht sah 2021 weiteres technisches Potenzial für den Einsatz von Rezyklaten, abhängig von Produktanforderungen und Einsatzbereich. Es müssten lediglich „moderate Einschränkungen hinsichtlich der ästhetischen Eigenschaften der Verpackungen und der Materialeffizienz in Kauf genommen“ werden. 

FORTSCHRITT: SILO- & STRETCHFOLIEN

Im Jahr 2013 rief die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen die Initiative ERDE ins Leben, um Silo- und Stretchfolien aus agrarwirtschaftlicher Nutzung dem Kunststoff-Recycling zuzuführen. Der IK-Bericht 2021 bewertete das damalige Ziel von mindestens 34.000 Tonnen bis Ende 2022 als erreichbar. Laut IK-Bericht wurden 2020 rund 26,5 Kilotonnen Silo- und Stretchfolien gesammelt; für die erfassten Agrarfolien berichtet die IK eine werkstoffliche Verwertung.

Hand hält weiße Flasche zwischen bunten Kunststofffolien

FAZIT: VERBESSERUNG, ABER MIT LÜCKEN

Allem Anschein nach bewegt sich die Kunststoffverpackungsindustrie immerhin auf die Erreichung von zwei ihrer drei damals selbst gesetzten Ziele zu Kreislauffähigkeit, Rezyklateinsatz und Folienrecycling zu. Der Bericht zeigt zugleich Unterschiede zwischen Recyclingfähigkeit, tatsächlichem Recycling und Rezyklateinsatz.

Laut IK-Bericht waren 2020 rund 81 % der betrachteten Haushaltsverpackungen recycling- oder mehrwegfähig. Recyclingfähigkeit bedeutet nicht automatisch, dass ein Material tatsächlich wieder für eine neue Kunststoffverpackung eingesetzt wird. Für 2019 weist der IK-Bericht einen Rezyklateinsatz von rund 474.000 Tonnen in der Kunststoffverpackungsproduktion aus.

In puncto Recyclingfähigkeit und Rezyklateinsatz unterscheiden sich je nach Material, Verpackungsaufbau und Recyclingweg.