Die Welt hat ein Plastikproblem. 2021 sammelten sich allein in der deutschen Bevölkerung pro Kopf 39,7 kg Plastikabfälle an. Nicht jede Kunststoffverpackung ist aufgrund ihres konkreten Material- und Verpackungsaufbaus für denselben Recyclingweg geeignet. Da stellt sich die Frage, welche Alternativen es zur Plastikverpackung gibt? Wir sind dieser Frage nachgegangen und dabei auf die Versandkartons aus Wellpappe gestoßen. In diesem Artikel erfährst du alles über ihre Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten.
Wellpappen-Verpackungen sind Kaufargumente
In Zahlen ausgedrückt: Die zitierte GVM-Studie bezifferte für ihr untersuchtes Szenario ein Potenzial zur Vermeidung von Kunststoffverpackungsmaterial. Die GVM-Studie untersuchte ein theoretisches Substitutionspotenzial für bestimmte Kunststoffverpackungen. Das benötigte Wellpappen-Material, so die Studie, sei bereits auf dem Markt oder könne innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre entwickelt werden. Zurzeit lassen sich durch Wellpappen-Lösungen 21 Prozent aller Kunststoffverpackungen ersetzen. Tendenz steigend.

Nutzung von Wellpappe und Plastik in der Verpackungsindustrie
Die Verpackungsindustrie hat jahrzehntelang auf den Werkstoff Plastik gesetzt. Er lässt sich günstig produzieren, ist hygienisch, hält dicht und dient zahlreichen Verpackungszwecken. Die Schattenseiten des Plastiks wurden uns erst in jüngster Zeit bewusst: Recyclingfähigkeit, Ressourceneinsatz und Entsorgungswege unterscheiden sich je nach konkretem Kunststoff- und Verpackungsaufbau. Trotzdem ist Plastik auch heute noch für manche Verpackungsaufgaben unverzichtbar. Im Folgenden stellen wir dir an Produktbeispielen dar, wo Wellpappe das Plastik ersetzen könnte. Eines gilt schon jetzt als sicher: Die zitierte Studie beziffert für die untersuchten Verpackungsanwendungen ein bestimmtes Substitutionspotenzial. Es gibt ein paar Kunststoffpackmittel, die unverzichtbar sind. Die GVM-Studie von 2019 zählt sie auf:

- Tuben
- Etiketten
- Klebebänder
- Einwegbesteck
- Umreifungen
- Flaschen
- gespritzte Verschlüsse
- Paletten
Diese Liste ist gar nicht so lang, denn die Verpackungsindustrie hat sich in den letzten Jahren eine ganze Menge Gedanken darüber gemacht, wie konkrete Umweltaspekte bei Verpackungslösungen berücksichtigt werden können. Hier ein paar ihrer Lösungen.
Waschmittel aus dem Wellpappen-Karton
Flüssigwaschmittel und eine stabile Kunststoff-Flasche: Das ist nach Meinung der meisten Käufer eine feste Verbindung. Geht das auch in Wellpappe? – Die Verpackungsindustrie sagt Ja – zumindest als Materialmix. Auf dem Getränkemarkt ist diese Lösung bereits bekannt. Manche Weintrinker rümpften die Nase, als der edle Rebensaft plötzlich in bedruckten Kartons mit Zapfhahn angeboten wurde. Aber mittlerweile kommen auch hochwertige Weine in dieser Verpackungslösung auf den Markt. Der Wein hält sich viel länger als in der Flasche und kann praktisch portionsweise direkt ins Glas abgefüllt werden. So etwas ist auch für Waschmittel oder andere Reinigungsmittel möglich. Der Wellpappenkarton beherbergt einen luftdichten hygienischen Kunststoffsack, dessen Zapfhahn in einer Befestigungsvorrichtung am Karton eingeklemmt wird. Nach Angaben der genannten Quelle kann bei bestimmten Großgebinden gegenüber der dort betrachteten Vergleichsverpackung Kunststoffmaterial eingespart werden.
Material- und Verpackungswahl im Versandhandel
Auch der Versandhandel beginnt darüber nachzudenken, wie bei Versandverpackungen konkrete Umweltaspekte berücksichtigt werden können. Die Zeit riesiger Kartons, vollgestopft mit Unmengen von Luftpolsterfolie oder anderem Plastik, ist hoffentlich bald vorbei. Fangen wir mal mit dem Karton an. Hier gilt die Wellpappe schon lange als klassisches Material. Das liegt an ihrer Bauweise. Wenn du sie aufschneidest, siehst du im Inneren eine oder mehrere Schichten eines Wellenprofils (damit wäre auch erklärt, warum die Wellpappe Wellpappe heißt). Diese Struktur federt Stöße und Stürze wie ein Airbag ab: ideale Voraussetzungen für den Versandhandel. Bei der Auswahl der Kartongröße muss neben dem Materialeinsatz auch der notwendige Produktschutz berücksichtigt werden. Es geht immer auch um den Schutz des Versandgutes. Der Karton muss etwas größer sein, damit du den Leerraum auspolstern kannst.
Und jetzt kommt wieder Papier- und Wellpappepolster ins Spiel: Papier- und Wellpappepolster statt Styroporchips oder Luftpolsterfolie. Sogar beim Zukleben lässt sich auf Papier-Packband oder Nassklebeband zurückgreifen, denn es gibt Papier-Packband oder Nassklebeband.

Wellpappe sogar für gekühlte Waren
Die Verpackungsindustrie durchläuft einen gigantischen Umbau. Politik und Klimakrise drücken aufs Tempo, die Forschungsabteilungen machen Überstunden. Kein Wunder also, wenn so viele kreative Verpackungslösungen mit unterschiedlichen Material- und Konstruktionseigenschaften auf den Markt kommen. Und ganz oft ist die Wellpappe beteiligt. Die Verpackungsingenieure haben sogar Wellpappen-Lösungen für den Transport von Kühlwaren gefunden. Schaumkunststoff, dessen Recyclingfähigkeit vom konkreten Material, Aufbau und verfügbaren Recyclingweg abhängt Aber es sind bereits Wellpappenkartons für den Versand gekühlter, gefrorener und nicht gekühlter Waren entwickelt worden. Im Karton befinden sich mehrere abgeschlossene Innenfächer für die unterschiedlichen „Klimazonen". Die Kühlabteilungen sind durch Naturfaser-Isoliermatten geschützt und werden mit wasserbasierten Kühlelementen oder mit Trockeneis auf Temperatur gehalten.
Die Plastiktüte geht, der Tragekarton kommt

Die Plastiktüte ist inzwischen unbeliebt geworden. Das ist gut so! Und wie sieht es mit Ersatzprodukten aus? Du hast wahrscheinlich nicht immer den Stoffbeutel in der Tasche, wenn du einkaufen gehst. Und die Papiertüte ist nur bedingt belastbar und schnell verschlissen. Aber auch hier haben Verpackungsingenieure die Wellpappe mit ins Boot geholt. Eine ihrer möglichen Lösungen heißt Wellbag2go. Das ist ein stabiler, verschließbarer Karton aus Wellpappe mit integrierten Tragehilfen. Diese lassen sich nach oben aufstülpen und münden in einem festen Tragegriff. Die Recyclingfähigkeit des Tragekartons ist anhand seines konkreten Aufbaus und Recyclingwegs zu bewerten.
Obst und Gemüse: Appetitlich präsentiert in Wellpappe
Obst und Gemüse stehen für gesunde Ernährung, für Frische, für Regionalität. Da fällt es dir besonders unangenehm ins Auge, wenn zum Beispiel eine Gurke komplett mit Plastikfolie eingeschweißt angeboten wird. Die zugrunde gelegte Studie beziffert für bestimmte Obst- und Gemüseverpackungen ein Substitutionspotenzial gegenüber Kunststoffverpackungen. Gleichzeitig entstehen weniger Druckstellen und andere Transportbeschädigungen an dem Obst und Gemüse. Drittens lässt das Verpackungsdesign von Wellpappeschalen einen besseren Blick auf die Artikel und damit eine bessere Beurteilung der Qualität zu.
Erzeuger von Bio-Ware setzen auf Verpackungsprodukte wie Wellpappe mit Graspapieranteil.
Umweltaspekte von Wellpappe im Überblick
Wellpappe im Wertstoffkreislauf
Welche material- und recyclingbezogenen Eigenschaften weist Wellpappe auf? – Wellpappe besteht aus papierbasierten Faserstoffen. Je nach eingesetzter Qualität können dabei sowohl Recyclingfasern als auch Primärfasern zum Einsatz kommen. Für das Verbinden der Wellpappebahnen können zudem stärkebasierte Klebstoffe, beispielsweise auf Basis von Mais-, Weizen- oder Kartoffelstärke, verwendet werden. Ob eine konkrete Wellpappenverpackung für einen Recyclingweg geeignet ist, hängt vom vollständigen Verpackungsaufbau ab. Bei entsprechend geeignetem Aufbau kann Wellpappe über die Altpapiersammlung erfasst und einer erneuten stofflichen Nutzung zugeführt werden.

Wellpappe versus Plastik: Die Vorteile
Erdöl und Erdgas – das sind die Grundstoffe, aus denen Plastik entsteht. Jeder sorgenvolle Bewohner dieses Planeten weiß: Ihre Gewinnung und Nutzung ist mit Treibhausgasemissionen verbunden. Wellpappe und Kunststoff unterscheiden sich hinsichtlich Materialherkunft, Aufbau und möglicher Recyclingwege.
- wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt
- kann bei geeignetem Aufbau über vorgesehene Sammel-, Sortier- und Recyclingwege einer erneuten stofflichen Nutzung zugeführt werden
- ist vollständig kompostierbar.
Diesen Vorteilen gesellen sich noch einige andere bei: Ja, auch Plastik kann bedruckt werden – aber bei Wellpappe geht das mit für Wellpappe geeigneten Druckfarben. Und auch die Klebstoffe, mit denen Wellpappe montiert wird – stärkehaltiger Naturleim – stellen keine Gefahr für die Umwelt dar. Außerdem ist Wellpappe ausgesprochen stabil und bildet für viele Transport- und Verpackungsaufgaben die sicherere Lösung.

Wie viel CO2 kann durch Wellpappe eingespart werden?
Die Universität Freiburg hat unter dem Namen „Circulus" eine langjährige Studie zur Ökologie von Verpackungen aufgelegt. Hier ein konkretes Beispiel aus den Forschungsergebnissen: Verglichen wurde die Öko-Bilanz eines 500-Gramm-Obstkörbchen – einmal in Plastik, einmal in Wellpappe ausgeführt. Für das in der genannten Studie untersuchte 500-g-Obstkörbchen wurde für die dort definierten Systemgrenzen eine geringere Treibhausgaswirkung der Wellpappe-Variante gegenüber der untersuchten Kunststoffvariante ermittelt.
Fazit: Können Wellpappe-Verpackungen mehrfach verwendet werden?
Mehrfachnutzung kann bei dafür konzipierten Verpackungen eine eigene Verpackungsstrategie darstellen. Mit der stabilen Wellpappe ist das kein Problem. Feste Kartons, Obststiegen oder Verkaufskästen in Läden und Supermärkten lassen sich problemlos mehrmals neu befüllen, bevor sie in den vorgesehenen Recyclingweg zurückgeführt werden.

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